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Trotz Corona „die Stärk’“ antrinken

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Die Pandemie verhindert die traditionelle Veranstaltung zum 6. Januar in Seßlach. Mit dem im Städtchen gebrauten Bier kann man die Tradition zu Hause pflegen.

Seßlach – Zum Dreikönigstag „die „Stärk’ antrinken“ – nicht nur in Seßlach ist das ein uralter fränkischer Brauch. Im vergangenen Jahr musste die traditionelle Veranstaltung wegen der Vorgaben in der Pandemie ausfallen. Und auch heuer wird es das fröhliche Beisammensein in der kleinen Stadt im Coburger Land nicht geben, bedauert Stefan Pachsteffl, einer der „Seßlacher Mönche“, die das „Stärk’-Antrinken“ ausrichten.

„Für uns ist es unmöglich, die Auflagen für eine solche Veranstaltung zu erfüllen“, sagt Pachsteffl. Einen geeigneten Saal finden, alle Kontroll-, Hygiene-, Abstands- und Dokumentationsregeln erfüllen: Das sei für eine ehrenamtliche Gemeinschaft wie die „Mönche“ nicht leistbar. Deshalb habe man die Feier zum 6. Januar auch diesmal schweren Herzens absagen müssen, bedauert Pachsteffl.

Verkauf im Rathaus

Aber einen Lichtblick gibt es: Seßlacher Bier aus dem Kommunbrauhaus wird für das Feiern am Dreikönigstag im privaten Kreis verfügbar sein. Im Rathaus kann es während der Öffnungszeiten der Verwaltung in kleinen Fässern erworben werden, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Im Rathaus steht ein Kühlschrank, in dem der Gerstensaft gelagert wird. Der Verkauf erfolgt heute, Dienstag, von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr sowie morgen, Mittwoch, von 8 bis 12 Uhr. Auch im Seßlacher Wertstoffhof in der Industriestraße 1 findet der Verkauf des Biers aus dem Kommunbrauhaus zu den regulären Öffnungszeiten statt: Heute stehen dessen Tore von 16 bis 18 Uhr offen. In der Weinhandlung am Maximiliansplatz, die direkt neben dem Kommunbrauhaus liegt, ist das Seßlacher Bier ebenfalls erhältlich, ergänzt Stefan Pachsteffl. Sein Tipp: „Vorher dort anrufen und sich erkundigen!“

Pachsteffl hofft, dass die Besucher der Vor-Corona-Veranstaltungen den Seßlacher „Mönchen“ trotz der gegenwärtigen Einschränkungen die Treue halten. Wenn es die Pandemie zulässt, wollen die „Mönche“ im Sommer zu einem Probeausschank in ihre Stadt einladen. Das könnte beispielsweise ein Stehempfang am Kommunbrauhaus sein. „Aber da müssen wir die Entwicklung abwarten“, erklärt Stefan Pachsteffl.

Im Jahr 2010 hatte das „Stärk‘-Antrinken“ in Seßlach seine Neuauflage erlebt. Die Brauhausfreunde, die sich als „Mönche“ über die Grenzen ihrer Stadt hinaus einen guten Namen gemacht haben, nahmen damals das 675-jährige Jubiläum der Stadtrechtsverleihung zum Anlass, diese Tradition wieder aufleben zu lassen.

Geschichte

Das „Stärk‘-Antrinken“ ist ein Brauch, der zu Beginn des neuen Jahres gepflegt wird. Er findet am Vorabend des 6. Januars statt, der bis 1691 den Beginn des neuen Jahres markierte. Früher feierte man an diesem Tag das Neujahrsfest; daher heißt es in Franken heute noch Großneujahr, Hochneujahr oder „Öberschder“.

Da der Franke an sich in seinen Traditionen verwurzelt ist und gerne Bier trinkt, wappnet er sich gegen alles Unheil des neuen Jahres, denn niemand kann vorhersehen, was es mit sich bringt. Es ist deshalb ein guter Brauch, sich gegen alle möglichen Widrigkeiten zu wappnen. Dazu trinkt man sich im Kreise von Familie oder Freunden sowohl Kraft als auch Gesundheit – eben die „Stärk’“ – an.

Damit die „Stärk’“ auch ein ganzes Jahr vorhält, sollte man für jeden Monat des Jahres ein Seidla vom Bockbier trinken. Diese Gepflogenheit ist aus dem vorchristlichen Brauchtum der zwölf „Rauhnächte“ entstanden.