Seßlachs Bürgermeister sitzt in Quarantäne

Maximilian Neeb muss vorsichtshalber zwei Wochen zu Hause bleiben. Ein erster Coronatest fiel negativ aus.

Die Füße still zu halten, das fällt Maximilian Neeb alles andere als leicht. Nun aber muss er das zwangsläufig: Weil er am vergangenen Montag Kontakt zu einer Person hatte, die positiv auf Corona getestet wurde, befindet sich der Seßlacher Bürgermeister seit Dienstagmittag für zwei Wochen in häuslicher Quarantäne. „Gerade wenn man so ein aktiver Mensch ist wie ich und wenn man sonst ständig unterwegs ist, dann ist das eine Katastrophe“, sagt der 28-Jährige im Telefoninterview. Und da die Gerüchteküche bereits brodelt, war er gerne zu einem Gespräch mit der Neuen Presse bereit.

Zwei Wochen sind Pflicht

Aktuell befinden sich 51 Personen in Stadt und Landkreis Coburg in Quarantäne. Darunter sind neun Infizierte, wie Corinna Roesler, Pressesprecherin am Landratsamt , erläutert. Sie erklärt auch: ,Wurde jemand als Kontaktperson identifiziert, sind unbedingt zwei Wochen häusliche Quarantäne einzuhalten.“ Getestet werde in dieser Zeit immer zwei Mal. Aber: „Auch wenn die Ergebnisse negativ ausfallen, sind die zwei Wochen Quarantäne einzuhalten“, so Corinna Roesler.

 

„Es spricht sich wohl so langsam rum“, meint der Bürgermeister mit Blick auf die Quarantäneanordnung, die nicht nur ihn, sondern mehrere Freunde aus seiner Clique betrifft. „Und bisher“, weist Maximilian Neeb anders lautende Gerüchte zurück, „sind wir alle negativ auf Corona getestet. Wir hoffen, dass das so bleibt. Das alle gesund bleiben, das ist das Wichtigste.“ Ihm ist nun daran gelegen, Klarheit zu schaffen und offen zu sprechen. „Natürlich habe ich mitbekommen, dass es durch die Gemeinde geht und fügt hinzu: „Es ist eben auch ein Bürgermeister nicht vor einer Quarantäne gefeit. Das kann jedem passieren.“

 

Und so telefoniert und mailt der Bürgermeister nun wieder aus dem Homeoffice, empfängt Unterschriftslisten über einen stillen Briefkasten und schickt seine Stellvertreter zu Terminen, an denen er nicht teilnehmen kann. „Ich hatte noch insofern Glück, als ich diese Woche ohnehin nicht da gewesen wäre. Eigentlich wäre ich jetzt vier Tage weggefahren, zu einer Wanderung auf die Zugspitze“, meint er. Eingeplant war Maximilian Neeb deshalb ohnehin nicht bei den Präsenzterminen in dieser Woche.

Gut geht es dem Bürgermeister in Quarantäne, auch wenn natürlich nichts so ist wie sonst. „Ich bin angefressen, das auf jeden Fall“, sagt der 28-Jährige und setzt sogleich nach: „Aber natürlich habe ich absolutes Verständnis für die Maßnahmen. Dafür kann ja niemand etwas, das ist persönliches Pech.“ Auch wenn das alles „sauärgerlich“ für ihn sei, so helfe es in solchen Momenten dennoch, sich bewusst zu machen, dass andere Menschen schlimme Schicksalsschläge verkraften müssen. Sich darüber Gedanken zu machen, rücke die Situation wieder in das richtige Licht.

Und so nutzt Maximilian Neeb die unerwartete freie Zeit für Dinge, zu denen er sonst nicht allzu oft kommt. „Das Wetter passt ja. Da kann ich mich raus in den Garten setzen. Und ich arbeite den Holzhaufen ab, säge Holz für den Kamin“ sagt er und setzt nach: „Das Auto wollte ich auch schon lange mal wieder staubsaugen. Es ist mit Sicherheit so, dass ich nun dazu komme, Dinge anzupacken, die sonst liegen geblieben wären.“

Auch zum lesen kommt Maximilian Neeb in diesen Tagen eher als sonst üblich. Gerade schmökert er sich durch den Frankenkrimi „Dohlenhatz“ von Friederike Schmöe; an normalen Tagen bleibt es oft bei der Lektüre der Tageszeitung. „Wenn ich dazu komme, etwas zu lesen, dann Krimis“, verrät er. Wie passend, dass sein aktuelles Buch in Coburg spielt: Es geht um die Landessausstellung, Luther auf der Veste und eine Bamberger Privatdetektivin.

Mit seiner Clique hält der 28-Jährige ebenfalls regelmäßig Kontakt. „Wir telefonieren viel, es sind ja alle in Quarantäne und allen geht es ähnlich. Wir versuchen nun, etwas zu finden, was wir gemeinsam machen können – auch meine Freunde sind ja eher aktiv“, berichtet er. Nächsten Montag müssen alle zum zweiten Test. „Dann kommt hoffentlich am Dienstag das negative Ergebnis und ab dem 17. August, wenn die Quarantäne rum ist, können wir dann vielleicht alle im Rückblick über diese Zeit lachen“, hofft der Bürgermeister. Die zwei Wochen Quarantäne absitzen muss er in jedem Fall, auch wenn beide Testergebnisse negativ ausfallen.

Und was, wenn das Ergebnis kommende Woche positiv ausfällt? Darüber hat sich Maximilian Neeb noch keine Gedanken gemacht, er ist zuversichtlich. „Angst habe ich nicht“, sagt er. „Aber darüber wird man sich wohl so richtig erst bewusst, wenn man tatsächlich ein positives Ergebnis bekommt.“ Aber er sagt auch: „Man horcht schon in sich, sobald man mal husten oder niesen muss.“

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