Fordernde Fassadenfarbe

Premiere für Bürgermeister Maximilian Neeb (FW): Am Montagabend fand für den jungen Rathauschef die erste Bürgersammlung seiner Amtszeit statt, im Sportheim des TSV Gemünda. Gleichzeitig war es die erste Bürgerversammlung seit zwei Jahren, weil nach Martin Mittags Wechsel in den bayerischen Landtag im letzten Herbst der Reigen der Informationsabende für die Bürger ausfiel.

Wie groß das Interesse der Einheimischen an diesen Veranstaltungen ist, zeigten der rege Besuch und die lebhaften Diskussionen im Gemünda. Eingangs umriss Neeb Seßlachs Finanzlage: Der Gesamthaushalt weist 2019 ein Rekordvolumen von rund 8,5 Millionen Euro im Verwaltungs- und 4,7 Millionen Euro im Vermögenshaushalt auf. Der Schuldenstand wird wohl zum Ende des Jahres bei rund 3,3 Millionen Euro liegen, was 834 Euro pro Kopf entspricht.

Bei seinem Rückblick nannte das Stadtoberhaupt vor allem die über das KIP geförderte Rathaussanierung, die gut 700 000 Euro gekostet habe. Diese sei „zwingend notwendig gewesen“, so Neeb. 40 000 Euro entfielen auf die Alte Schmiede, die von den Brauhausfreunden instandgesetzt wurde. „Das ist ehrenamtliches Engagement, wie es im Buche steht“, würdigte der 27-Jährige den Einsatz. Die Stadtmauer dahinter müsse rundum saniert werden. Auf 1,3 Millionen Euro schätzt Neeb die Kosten.

Ausgiebig diskutiert wurde der ÖPNV, vor allem der Rufbus, mit dem viele Anwesende unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. „Wir haben ein gutes System, es ist nur nicht jedem bekannt“, sagte Neeb. Jede Stunde kämen die Bürger nach Coburg oder Seßlach, zudem fahre das Taxi meist die kürzeste und schnellste Strecke. Erich Schulz widersprach: „Es hapert noch hinten und vorn!“ Im Landratsamt sei schlecht jemand zu erreichen, die Internet-Seite sei nicht erreichbar sowie veraltet und der Bus warte nicht aufs Taxi, so einige Kritikpunkte. Neeb forderte alle Bürger auf, sich bei Problemen zu melden: „Wir können das System nur verbessern, wenn uns die Fehler bekannt sind.“ Der Bedarf sei gegeben und offensichtlich funktioniere die Abwicklung, denn knapp die Hälfte der 5000 Buchungen im Jahr kämen aus Seßlach. Im Frühjahr 2020 möchte der Bürgermeister die Bevölkerung über den Rufbus informieren und Probleme diskutieren, unterstützt vom ÖPNV-Experten Hans Fenzlein. Dieser hatte Erläuterungen verteilt, wie der Rufbus-Stundentakt funktioniert. Bei den ortsspezifischen Themen sprach Neeb das Isek an, das auch den historischen Ortskern Gemündas betrifft: „Von sozialen Handlungsfeldern über die Vereine bis hin zu Baumaßnahmen wird alles unter die Lupe genommen.“ Die Bürger könnten Wünsche äußern, deren Umsetzung sich dann an der Haushaltslage der Stadt orientiere. Er lud die Anwesenden zur Auftaktveranstaltung am 16. Oktober um 19 Uhr in die Seßlacher Schule ein. Weiter sagte er, am 9. Oktober werde die Brücke Richtung Gehegsmühle und Ummerstadt offiziell wieder freigegeben.

Dauerbrenner Ampel

Von den Bürgern vorgetragene Themen betrafen eine Mitfahrbank, ein mögliches Neubaugebiet, eine elektronische Geschwindigkeitstafel für den Ortseingang, die Farbe des Seßlacher Rathauses, die Parksituation an der Kita, die zukünftige Nutzung der ehemaligen Schulräume und die Ampelanlage. Die Bank, die derzeit noch im Bauhof in Seßlach auf ihren Einsatz wartet, könnte auf Anregung von Josef Starkl für einen Lückenschluss nach Dietersdorf an der Bushaltestelle aufgestellt werden. Für das Neubaugebiet, nach dem Martin Großkreuz fragte, macht eine Erschließung laut Neeb nur Sinn, „wenn die Plätze nicht erst nach 20 Jahren verkauft sind“. Auch verkaufsbereite Grundstücksbesitzer brauche es, fügte Hendrik Dressel hinzu. Die Rathausfassade neu anzustreichen, werde einen „mittleren fünfstelligen Betrag“ kosten, so Neeb, auch weil Fördergelder zurückgezahlt werden müssten. Dass er dieses Geld lieber anderweitig ausgeben würde, deutete der Bürgermeister an, „aber ich habe ja nur eine Stimme“. „Unverantwortlich“ nannte Herbert Zapf, wie an der Kita geparkt werde. Harry Bucher schlug vor, die Parkplätze am Sportheim zu nutzen und das kurze Stück hinaufzulaufen. Marianne Krüg erkundigte sich, ob die Ampel nicht „intelligenter“ zu schalten sei. Chancen auf eine Änderung durch das Staatliche Bauamt sahen weder Neeb noch Geschäftsleiter Bernd Vogt. Dieser wies daraufhin, dass jederzeit mit Gegenverkehr gerechnet werden müsse. Ob die Ex-Schulräume im Obergeschoss nicht für den Kindergarten genutzt werden könnten, wollte Pascal Kellner wissen. Neeb zufolge zieht die Verwaltung dort die Unterbringung einer weiteren Gruppe in Betracht. Bauliche Veränderungen sollen mit dem Landratsamt abgestimmt werden.

Bis Mitte Dezember werden 13 weitere Bürgerversammlungen folgen. Die nächste findet am Mittwoch, 9. Oktober, im Seßlacher Altstadthof statt. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

  • Artikel von Bettina Knauth

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