Sturzpräventionstraining, wie es hier Bürgermeister Maximilian Neeb beim letzten Blutspende-Termin in Seßlach selber auf dem Galileo-Gerät ausprobierte, kann insbesondere ältere Menschen vor einem Krankenhaus-Aufenthalt bewahren oder nach demselben wieder auf die Beine helfen. Ein solches Training stellt nur ein Angebot der "häuslichen Hilfen" und nachstationären Hausbesuche dar. An beiden Konzepten wird sich zukünftig auch die Stadt Seßlach beteiligen, wie der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag beschloss. Foto: Bettina Knauth

Seßlach hilft Hilfebedürftigen

Wie können ältere Menschen länger in den eigenen vier Wänden verweilen, wie könnten sie nach einem Krankenhaus-Aufenthalt daheim besser versorgt werden? Dazu referierten der Seniorenbeauftragte Dr. Wolfgang Hasselkus (Rödental) und Anja Zietz vom Landratsamt Coburg am Dienstagabend vor dem Seßlacher Stadtrat. Danach beschloss das Gremium einstimmig, die von beiden vorgestellten Konzepte der „häuslichen Hilfen“ sowie der „nachstationären Hausbesuche“ auch in Seßlach umzusetzen. Bürgermeister Maximilian Neeb (FW) wurde beauftragt, gemeinsam mit dem Seniorenbeauftragten Klaus Gropp (CSU) entsprechende Planungen vorzunehmen.

Der Rödentaler Hausarzt Dr. Hasselkus hat das Konzept initiiert, das Betroffenen zu mehr Selbstständigkeit, Mobilität und Kommunikation verhelfen soll. „Sie fungieren als Lotsen und decken das ab, was ein alter Mensch nicht mehr leisten kann“, erläuterte der Seniorenbeauftragte. In 14 Landkreis-Kommunen betreuen 90 „häuslichen Hilfen“ bereits rund 230 Senioren. Ehrenamtlich, mit „Zeit und Herz“, kümmern sie sich um Versorgung, Prävention und Rehabilitation ihrer stets gleichen Bezugspersonen. Sie reden mit ihnen, gehen mit ihnen spazieren, zum Arzt oder für sie einkaufen. Sie achten auf ihre Ernährung, passen den Wohnraum ihrer Situation an und trainieren mit ihnen, um Kraft und Koordination zu verbessern und Stürzen vorzubeugen. Hasselkus: „Wie in einer Partnerschaft stellen die Helfer fest, wie es dem anderen geht, und erkennen Krisen rechtzeitig.“ Die „Kunden“ bezahlen dafür 8,50 Euro pro Stunde, plus Fahrtgeld. Bis zu 2400 Euro dürfen die Engagierten pro Jahr als „Übungsleiterpauschale“ verdienen, ohne Steuern und Sozialabgaben zahlen zu müssen. Zu ihren Aufgaben zählen auch regelmäßige Dienstbesprechungen und Fortbildungen. Optional können die Hilfen auch Übungsgruppen aufbauen, etwa mit dem Galileo-Trainingsgerät.

Handlungsbedarf wegen kürzerer Liegezeiten

Sofortmaßnahmen und Sturzprävention nach Krankenhausaufenthalten kämen zunehmend Bedeutung zu. Die Liegezeiten, so prophezeite Dr. Hasselkus angesichts der finanziell prekären Lage von Regiomed, würden sich weiter verkürzen, um etwa die Wirtschaftlichkeit des Coburger Klinikums zu steigern: „Ältere Menschen werden immer öfter zu früh nach Hause geschickt werden, denn das Krankenhaus steht auf der Kippe, das ist nicht übertrieben.“ Dabei sei der Mensch, der aus dem Krankenhaus komme, „nicht mehr der, der er mal war“: Pro Woche verlören ältere Menschen, die liegen müssten, mindestens ein Kilo an Muskelmasse. Deshalb fühlten sich die Heimkehrer oft schlechter als vorher. Um erneuten Stürzen und unzureichender Versorgung vorzubeugen, und damit dem „Weg der Alten in die Kurzzeit- oder Vollzeitpflege“, bietet das Entlass-Management bisher bereits in neun Landkreiskommunen einen nachstationären Hausbesuch an. Dieser sei kostenlos und beinhalte neben Erstversorgung und Sofortmaßnahmen auch Gymnastik und ggf. Sturztraining. Die Kosten für den Erstbesuch (20 Euro) und ggf. das dreimalige Sturztraining (27 Euro) übernimmt die Kommune. Die Anschubfinanzierung des Landkreises in Höhe von 500 Euro reiche für circa drei Jahre, informierte Hasselkus. „Die Nachsorge müsste zur ethischen Aufgabe einer Kommune gehören“, warb er für die Beteiligung der Stadt, „wir haben hier die einmalige Chance einzugreifen.“ Interessenkonflikte mit der Diakoniestation Weitramsdorf-Seßlach oder dem Altenheim der Flender’schen Spitalstiftung seien nicht zu befürchten, ergänzte Zietz. Diese Einrichtungen unterstützten vielmehr das Konzept und könnten als Bindeglied dienen. Nach dem positiven Votum des Stadtrats sollen nun Ehrenamtliche für beide Konzepte geworben werden.

Zu Beginn der Sitzung hatte der Rathauschef den neu gewählten Ortssprecher Helmut Neudecker vereidigt. Er wird zukünftig Oberelldorf am Ratstisch vertreten, nachdem durch Neebs Wechsel ins Bürgermeisteramt dieser Stadtteil nicht mehr durch einen Stadtrat repräsentiert wurde.

Beliebtes Ferienprogramm

Das Seßlacher Ferienprogramm und Kinderferienparadies werde gut angenommen, berichtete Jugendpflegerin Svenja Merz in ihrem Jahresbericht. Die abwechslungsreichen 32 Programme an insgesamt 52 von 60 Ferientagen nutzten 2018 203 Teilnehmer; für die 46 Programmpunkte des Ferienparadieses meldeten sich an 53 Tagen 565 Kinder an. Auch die Nachmittagsbetreuung mit ihren fünf Gruppen sei mit über 60 Kindern „sehr gut ausgelastet“, schilderte Merz. Der Jugendtreff wurde zwar neu gestrichen, werde aber derzeit nur von drei bis vier Jugendlichen genutzt, teilte sie auf Nachfrage von Uwe Siegel (FW) mit. Carsten Höllein (SPD) regte an, mit dem Angebot auch einmal in die Stadtteile zu gehen. Enttäuscht zeigte sich Merz auch von der Resonanz auf eine Umfrage unter den Kindern und Jugendlichen im Stadtgebiet: Die Fragen nach deren Bedarf beantworteten nur 68 Betroffene (bei 511 verteilten Fragebögen). Neben der Shakerbar mit 10 Einsätzen veranstalte die Jugendpflege Kinderkino-Nachmittage und bot im Hofcafé Mohnbiene in Gemünda „Kino auf dem Lande“ an. Auch ein Fahrsicherheitstraining stand auf dem Programm. Für 2019 sind neben Erhalt und Ausbau der Betreuungsangebote u.a. ein Erste-Hilfe-Kurs und eine U18-Wahl zur Europawahl geplant. Die Shakerbar soll erneuert werden. Ein Highlight wird die 4. Etappe des Jakobsweges sein; dieses Mal wird von Möckmühl nach Speyer gewandert.

Nach langen Diskussionen und Änderungen brachte der Stadtrat nun ohne Gegenstimme das Neubaugebiet Heiliggrund II in Heilgersdorf auf den Weg, durch Billigung der 1. Änderung des Bebauungsplans. Damit erfolgt die Zufahrt zu den 16 Bauplätzen nun endgültig von der Raiffeisenstraße her. Zulässig sind höchstens zweigeschossige Neubauten.

Gemäß den Sportförderrichtlinien billigte das Gremium einmütig einen Antrag des TSV Gemünda auf Zuschuss zum Austausch des Gastanks und Erneuerung der Leitungen. Der städtische Anteil von zehn Prozent wird rund 300 Euro betragen.

Mitteilungen des Bürgermeisters:

• Die Angestellten der Verwaltung können voraussichtlich im Juni in ihre Büroräume zurückkehren. Bis dahin sollen die Bauarbeiten am Rathaus abgeschlossen sein. Derzeit wird der Plattformaufzug im Foyer eingebaut.

• Bei der Jahreshauptversammlung der Flender’schen Spitalstiftung wurden Mitte April Berthold Borczyk als Vorsitzender und Carsten Höllein als sein Stellvertreter in ihren Ämtern bestätigt. Als Kassier fungiert Helfried Schleicher, als Schriftführer Thomas Rauscher. Als Beisitzer gehören die Pfarrer Tobias Knötig und Norbert Lang, Heimleiterin Diane Alka sowie Gerhard Hoffmann und Manfred Eichler dem Vorstand an. Die Kasse werden Wolfgang Brasch und Rolf Deschner prüfen. Die Mitgliederversammlung beschloss für 2019 Anschaffungen in Höhe bis zu 25 000 Euro.

• Bei einem Ortstermin an der B 303 in Oberelldorf demonstrierte der Bauernverband, dass die Breite der parallel laufenden Wirtschaftswege für größere Fahrzeuge nicht ausreicht. Als zeitnahe Lösung wird nun eine Verrohrung des Grabens geprüft.

• Seit Dienstag rollen die Bagger in Autenhausen, der Umbau zum Freizeitbad hat begonnen.

• In der kommenden Woche soll ein erster Abstimmungstermin zur Umsetzung des ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungs-Konzept) stattfinden.

• Bestellt sei die neue Alarm-App für die Feuerwehren, an der Umsetzung wird laut Neeb gearbeitet.

Auf Anfrage von Ortssprecher Theo Fischer nach einer Ersatzpflanzung für die in Rothenberg entfernte Linde teilte Geschäftsleiter Bernd Vogt mit, dies solle auf einer Bürgerversammlung entschieden werden. Eventuell müsse noch ein zweiter Baum weichen.

Im Nachklang des Ortstermins am Gemeindehaus Oberelldorf Mitte April und der schon beauftragten Überprüfung der Kostenschätzung durch den Architekten Thomas Peetz, erkundigte sich Carsten Höllein, ob die Prioritätenliste noch 2019 angegangen werde. Dies verneinte Neeb. Im Haushalt seien keine Mittel vorgesehen. Weiter müssten Maßnahmen erst mit dem ALE (Amt für Ländliche Entwicklung) abgestimmt werden.

  • Artikel von Bettina Knauth

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