Bleibt das Seßlacher Rathaus so hell?

Heftig diskutierte der Seßlacher Stadtrat erneut das Vorgehen in Sachen Rathausfassade. Grenzerfahrungen sollen Jugendliche im August in Autenhausen machen.


Das Seßlacher Rathaus – soll die Fassade so bleiben? Darüber diskutierten die Stadträte in der Sitzung am Dienstag. Foto: Jochen Berger

Bleibt Rathaus so hell? Auf die Nachfrage Carsten Hölleins (SPD) nach seinem Antrag zur Rathausfassade entbrannte bei der Stadtratssitzung am Dienstagabend in der Alten Schule eine hitzige Diskussion. Der Antrag auf Prüfung alternativer Farbgestaltungen und deren Kosten sei zurückgestellt, bis das ganze Ensemble fertig sei, sagte Zweiter Bürgermeister Wolfgang Pfister (CSU). Höllein hielt dagegen: „Dann ist es zu spät!“ Die Meinungen darüber gingen ebenso auseinander wie die, ob das Rathaus nun „verputzt“ zu nennen und das Fachwerk sichtbar sei.

Wie Höllein kritisierte Berthold Borczyk (FW), dass die Entscheidungsfindung des Rates missachtet worden sei. Der Beschluss vom 16. Oktober 2016 beinhalte, die Fassaden nicht zu verputzen und den fränkischen Stil wegen des Vorbildcharakters des Gebäudes nicht zu verändern, argumentierte er. Dies sei „völlig missachtet“ worden.

Nachdem nun das Rathaus-Nebengebäude teilweise verputzt sei und daneben Fachwerk aufweise, befürchtet Borczyk private Nachahmer in der Altstadt. „Wenn der Stadtrat für solche Fragen nicht zusammengerufen wird, dann brauchen wir uns nicht hersetzen, dann kann gleich der Bürgermeister entscheiden“, monierte er. Zeit sei dafür genug gewesen. Der Antrag Hölleins gehöre auf die nächste Tagesordnung. Die möglichen Kosten einer Umgestaltung sollen nun ermittelt werden. „Die Felder sind einfacher zu überstreichen als das Fachwerk“, teilte Dritte Bürgermeisterin Renate Schubart-Eisenhardt (CSU/LV) mit. Die Teilverputzung des Nebengebäudes wurde laut Vogt mit den Bürgermeistern Pfister und Schubart-Eisenhardt gemeinsam beschlossen. „Ist es so schwer, den Stadtrat zu informieren?“, hakte Borczyk nach. Seit einem halben Jahr hätten nicht mal Sitzungen mit den Fraktionssprechern stattgefunden, sprang ihm Höllein bei. Neeb argumentierte, er sehe nicht ein, „einen Batzen Geld in die Hand zu nehmen, für etwas, was im Vorhinein hätte verhindert werden können“. Nach Fertigstellung des Ensembles und Vorlage der Kosten will sich der Stadtrat mit Blick auf den Maßnahmenkatalog 2019 des Themas erneut annehmen.

Ein Zeltlager zur Erinnerung

Die Stadt Seßlach wird in der letzten Augustwoche 2019 ein internationales Zeltlager zum 30-jährigen Jubiläum der Grenzöffnung ausrichten. Das beschloss der Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstagabend in der Alten Schule, bei einer Gegenstimme. Auf Initiative des Vereins der „Gmünder in Europa“ befasst sich bereits eine 16-köpfige Arbeitsgruppe mit der Vorbereitung des Zeltlagers, das Jugendlichen vom 12. bis 26. Lebensjahr unmittelbar an der ehemaligen Zonengrenze die Bedeutung des Endes der Teilung Europas vor Augen führen soll. „Diese Veranstaltung kann ich nur mit sehr viel Beifall begrüßen“, lobte Wolfgang Pfister. Stattfinden soll das Zeltlager in der Freizeitanlage Autenhausen, in Reichweite des Ummerstädter Kreuzes, der Gedenkstätte Billmuthausen, des Grünen Bandes oder des Zweiländermuseums in Streufdorf. Falls die Unterbringung wegen des Umbaus zum Naturbad dort nicht möglich sein sollte, stehen die Sportanlagen des TSV Gemünda und des VfB Autenhausen als Ausweichquartier zur Verfügung. Finanziert wird die Veranstaltung von der Stiftung „Europeans for peace“ und „Demokratie leben“. „Der Stadt entstehen nicht einmal Kosten“, betonte Klaus Gropp (CSU). „Eine Mitfinanzierung durch die Stadt Seßlach ist derzeit nicht beabsichtigt“, schrieb Hendrik Dressel als Präsident der „Gmünder in Europa“ in seinem Antrag. Dressels Engagement hob der Bürgermeister lobend hervor.

Was bekommen die Wahlhelfer?

Auf Antrag von Rolf Deschner (SPD) wird die Erfrischungspauschale für die Helfer bei der Bürgermeister- und Landratswahl am 27. Januar auf 40 Euro erhöht. Ursprünglich waren 30 Euro vorgesehen. Deschners Argumentation, es seien nur noch schwer Ehrenamtliche für diesen Einsatz zu finden, fügten Stadtratskollegen noch den Hinweis hinzu, fast der gesamte Sonntag werde für den Einsatz „geopfert“. Dagegen argumentierte Geschäftsleiter Bernd Vogt, dass jeweils nur eine Stimme auszuzählen sei, anders etwa als bei der Kommunalwahl, die daher auch mit 50 Euro entlohnt werde. Maximilian Neeb (FW) verwies darauf, dass bereits eine Satzung zur generellen Regelung des Erfrischungsgeldes vorliege. Dann würde sich eine Festsetzung von Fall zu Fall erübrigen. Die Aufstockung wurde für den 27. Januar schließlich einvernehmlich beschlossen und wird auch für eine eventuelle Stichwahl am 10. Februar gelten.

Der Antrag von Carsten Höllein, Ausgaben für ein neues Fahrzeug für die Feuerwehr Autenhausen/Löschgruppe Gemünda in den Maßnahmenkatalog 2019 aufzunehmen, verwiesen die Räte einstimmig an den Hauptverwaltungsausschuss. Höllein hatte argumentiert, dass TSF stamme aus dem Jahr 1977 und könne wegen seines Alters jederzeit ausfallen. In der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs sieht er für seinen Heimatort den „einzig gangbaren Weg, um den Brandschutz als Pflichtaufgabe zu gewährleisten“. Pfister schlug vor, zunächst Fachleute um Rat zu fragen und die Kosten zu ermitteln. Es gehe auch um die Ausstattung und mögliche Unterstellmöglichkeit eines neuen Fahrzeugs. Mit belastbaren Zahlen solle sich der HVA befassen, die Kosten könnten für 2020 eingeplant werden. Die Verwaltung benötige auch Zahlen über die Löschgruppe, verlangte Vogt. Er schlug vor, die Maßnahme könne auf der Kommandantentagung besprochen werden. Vom Ratskollegen Manfred Eichler (CSU) wurde Höllein wegen seiner Vorgehensweise gerügt: „Es war immer gute Sitte Dinge, erst in diesem Gremium abzuklären, statt sie aus der Presse zu erfahren.“

Ohne Einwände folgte der Stadtrat dem weiteren Antrag Hölleins auf Überlassung städtischer Flächen an den Obst- und Gartenbauverein Gemünda für ein „Narzissenfeld“ am Ortseingang. Abgelehnt wurde jedoch die beantragte Übernahme der Kosten (bei einer Gegenstimme), weil dies zu spät eingetroffen sei. Ebenfalls abgelehnt, bei drei Gegenstimmen, wurde der Antrag von Hubertus Franz auf Änderung des Flächennutzungsplans im Bereich der Fl.-Nr. 75/1 in Gleismuthhausen. Der Antragsteller soll versuchen, auf Fl.-Nr. 74/1 ein neues Wohngebäude zu errichten oder prüfen, welche Umbau- oder Erweiterungsmaßnahmen am Bestandsgebäude möglich sind, hieß es.

Unbekannter Antrag

Ortssprecher Dieter Weikard fragte an, warum der Antrag auf Sanierung oder Neubau des Merlacher Feuerwehrhauses bis dato im Gremium nicht behandelt wurde. Dieser sei vom Kommandanten Christian Hückmann bereits Mitte Februar 2018 gestellt worden. „Wir wollen planen, können aber ohne Rückmeldung nichts machen“, beklagte Weikard. Er habe erst vor kurzem von dem Antrag erfahren, informierte Pfister. Nun müsse sich erst die Teilnehmergemeinschaft für die Dorferneuerung gründen und ihren Vorstand wählen, lautete sein Argument. Zwar werde in dem Zusammenhang ein Neubau nicht gefördert, wohl aber ein Abriss des Gerätehauses. Zunächst gelte es, die Notwendigkeit, dann die Kosten und mögliche Fördermöglichkeiten zu ermitteln, so der Zweite Bürgermeister. „Die Planung kostet ja Geld, deshalb macht es keinen Sinn, sie in die Wege zu leiten, ohne zu wissen, was in der Dorfmitte geschieht“, fügte Vogt hinzu.

Auf Nachfragen von Höllein informierte Pfister, das Pflaster vor der Seßlacher Stadtpfarrkirche werde „auf jeden Fall teurer“ als vorgesehen und das ISEK werde erst nach der Bürgermeisterwahl in Angriff genommen. Aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung dürften tatsächlich keine standesamtlichen Nachrichten mehr veröffentlicht werden, beantworte der Bürgermeister Gudrun Jöchners (FW) Anfrage.

Mitteilungen:

• In Seßlach werden in den nächsten Jahren mehrere Kreisstraßen neu gebaut: die Kreisstraße CO 6 bei Heilgersdorf sowie bei Rothenberg, die CO 16 in Seßlach (Bereich der Coburger Straße), der Watzendorfer Berg sowie die Kreisstraße CO 20 Merlach-Gleismuthhausen. Der erste Bauabschnitt in Heilgersdorf befindet sich in der Vorplanung und soll noch 2019 begonnen werden. Die Bevölkerung soll rechtzeitig informiert werden. Auf die Stadt Seßlach kommen Aufwendungen für die Abwasserbeseitigung zu, auf den Zweckverband der Heilgersdorfer Gruppe Kosten für die Erneuerung der Wasserleitung.

• Auf Initiative von Ortsprecher Udo Jahn wurden „Baustellen“ in Bischwind besichtigt. Am Backhaus sind im Ofen Schamottesteine herausgebrochen bzw. verrutscht. Eine Fachfirma schätzt die notwendigen Arbeiten auf 2200 Euro. Der Betrag wird in den Maßnahmenkatalog 2019 aufgenommen, nach Förderung wird gesucht. Weiter wurden Schäden am Rand des Bischwinder Grabens begutachtet, die ein Abrutschen des darüber liegenden Zauns oder Hangs befürchten lassen. Eine Fachfirma soll den Schaden durch Schalungen und Betonverguss beheben. Auch das notwendige Ausbaggern des Feuerlöschteiches soll im Frühjahr erfolgen.

• Seit Jahresanfang gelten höhere Stundensätze für Feuerwehrlehrgänge und Digitalfunk. Weiter teile KBR Manfred Lorenz mit, dass der Digitalfunk mit den Funkmeldeempfängern auf Bayreuther Gebiet starten und bis 2024 in Oberfranken flächendeckend umgesetzt sein soll.

• An der Infoveranstaltung zur Dorferneuerung Gleismuthhausen-Merlach haben sich viele Bürger beteiligt. Der Beginn der Maßnahme ist für Anfang März 2019 geplant. Zunächst wird der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft gewählt.

• Nachdem das Landratsamt Coburg den Bauantrag für das Ärztehaus Seßlach inzwischen genehmigt hat, steht der Beginn der Bauarbeiten unmittelbar bevor.

• Auch Seßlach wird eine „Mitfahrbank“ erhalten. Ihr zukünftiger Standort stehe noch nicht fest, beantwortete Pfister die Nachfrage von Werner.

• Nachdem der Einbau des Aufzugs im Rathaus geklärt ist, wird mit einem Ende der Baumaßnahmen für Ende April gerechnet. Das „neue“ Rathaus soll mit einem Tag der offenen Tür offiziell eröffnet werden.

• Ans Netz gegangen ist bereits im Dezember 2018 der neue Solarpark Seßlach II. Der Solarpark mit 6,63 ha soll etwa 5,14 MWh Strom im Jahr erzeugen und könnte somit rund 1900 Haushalte mit regenerativer Energie versorgen.

• Auf Wunsch mehrerer Merlacher Landwirte soll das Projekt „boden:ständig“ in dem Stadtteil als eigenständiges Projekt eingeleitet werden. Planungsbüros wurden zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Der Planungs- und Beratungsauftrag soll noch im Frühjahr 2019 vergeben werden.

  • Artikel von Bettina Knauth

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