Räte fühlen sich bei Gestaltung des Seßlacher Rathauses übergangen

Mitglieder des Stadtrats betonen, dass sie an der Entscheidung zur Farbgebung für das Rathaus nicht beteiligt waren – und etwas anderes wollten.

Die neue Gestaltung der Rathausfassade sorgt in Seßlachweiter für Diskussionsstoff. Als die Verhüllung nach den Arbeiten fiel, schüttelte so mancher Passant den Kopf, als er die rein weiße Front erblickte. Manche gingen davon aus, dass die Arbeit einfach noch nicht fertig sei. Die Balkendes Fachwerks würden schon noch gestrichen, meinten sie. Das ist aber nicht der Plan. Und das erbost auch Mitgliederdes Stadtrats, die sich bei der Entscheidung übergangen fühlen.

So sieht es jedenfalls Berthold Borczyk von der Freien Wählergruppe Bürgerblock. In einer Stellungnahme schreibt er: „Auch ich bin genauso perplex, wie übrigens viele Bürger unserer Gemeinde, über die Neugestaltung der Fassade unseres Rathauses. Eigentlich dürfte ich das als Stadtrat unserer Kommune nicht sein, denn die Bürger gehen davon aus, dass das Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalschutz bezüglich der Gestaltung, mit Zustimmung des Stadtrates erfolgte. Dem ist aber nicht so. Weder der Stadtrat, noch einer der amtierenden Ausschüsse, des Stadtrates, war in die Entscheidungsfindung einbezogen oder erlangte Kenntnis über die Vorschläge des Denkmalschutzes zur Gestaltung der Außenfassade unseres Rathauses. Einvernehmen über die Fassadengestaltung wurde einzig und allein zwischen der Denkmalschutzbehörde, dem Bürgermeister der Stadt Seßlach (Martin Mittag, CSU, die Red.) und der Verwaltung der Stadt hergestellt.“

Borzcyk geht noch weiter, denn die Verwaltung, so stellt er fest, hatte einen anderen Auftrag. „Der Stadtrat blieb außen vor, obwohl sich dieser in seiner Sitzung am 16. Oktober 2016, mit 14 zu 1 Stimmen, für die Beibehaltung des typisch Fränkischen Fachwerks entschieden hat. Denn, im Zuge der energetischen Sanierung, war auch ein Verputzen der Fassade eine mögliche Alternative.“ Diese wollte offenbar die Mehrheit des Gremiums nicht, obwohl es sie um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gegeben hat. Auf historischen Bildern ist das Rathaus mit überputzten Balken zu sehen.

Gegen Auftrag des Stadtrats

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Ähnlich wie Borczyk äußerte sich auch SPD-Fraktionsvorsitzender Carsten Höllein zu der Neugestaltung. Er fordert eine erneute Diskussion zur Farbgebung. Immerhin sollte es kein allzu großer Aufwand sein, dem Gebälk wieder einen Farbton zu verpassen, der es hervorhebt.

Wie Martin Mittag in den letzten Tagen seiner Amtszeit sagte, wird zumindest das noch nicht fertig sanierte Gebäude links neben dem eigentlichen Rathaus wieder einen Farbton bekommen. Außerdem wird am Rathaus noch der Schriftzug „Rathaus“ angebracht. Die Bürger sollten sich ein Urteil bilden, wenn alles fertig ist.

Wäre es nach den Denkmalschutzbehörden gegangen, würde es gar keine Balken mehr zu sehen geben. Historisch sei das nämlich nie beabsichtigt gewesen.

Das Ende des 18. Jahrhunderts errichtete Gebäude war komplett verputzt, weil das Fachwerk nicht als Zierde gedacht war, sondern einfach als tragende Konstruktion der Wände, heißt es. Aber Geschmack ändert sich eben.

Ein Kommentar

  1. Nun Martin Mittag hat sein Abschiedsgeschenk hinterlassen. Ihm waren die 2 Jahre doch egal Hauptsache er kommt nach München

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