Freibad sorgt für gewissen Frust

Markus Rinderspacher, Vorsitzender der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, war im Landkreis unterwegs und erfuhr in Autenhausen, wie schwierig der Traum der Bürger von einem Naturbad umzusetzen ist.

Seit neun Jahren ist der Vorsitzende der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, Markus Rinderspacher, mit der Sommeraktion der „Roten Radler“ im Freistaat unterwegs. Vorletzte Station der Tour und letzter Halt in Bayern war ein Stopp beim Freibad in Autenhausen. Ein „Vorzeigeprojekt, bei dem es knirscht“, wie Carsten Höllein, SPD-Kreisvorsitzender und Stadtrat in Seßlach, anmerkte. Denn so gern die Teilnehmer der Radgruppe sich erfrischt hätten: Wegen diverser Probleme (erst wegen Erkrankung des Schwimmmeisters, zuletzt wegen der Qualität des Wassers) muss das idyllische Bad – wie mehrfach berichtet – in dieser Saison geschlossen bleiben. Auch, wenn „Cheftechniker“ Dominik Fick vom Förderverein die Einstufung der gemessenen Werte als „krebserregend“ als überzogen kritisierte, weil die strengen Grenzwerte sonst für Hallenbädergälten, in denen Dämpfe – anders als bei Freiluftanlagen – nicht abziehen könnten. „Also wir sind startklar, falls doch noch jemand sagt, wir dürfen“, verkündete zwar Martina Kilian mit Blick auf die vom Förderverein top in Schuss gehaltene Anlage, doch richtet sich der Blick der Zweiten Vorsitzenden längst nach vorn, auf die Umwandlung der Anlage in ein Naturbad. Mit der aus den 70er Jahren stammenden Technik werde man keine besseren Werte mehr erzielen, gab sie zu.

Kilian skizzierte die geplanten Umbauarbeiten und erläuterte, warum das Projekt „Autilus“ plötzlich wieder auf der Kippe steht. Und das, obwohl der Seßlacher Stadtrat bereits Mittel bewilligt hat und geplante Maßnahmen dem Rotstift zum Opfer fielen. Auf die europaweite Generalausschreibung meldete sich nur ein Anbieter, und dessen Offerte liegt um 92 000 Euro über den kalkulierten Kosten. Am 13. September wollen Vertreter des Fördervereins nun mit der Stadt Seßlach und den Planern beraten, wie es weitergehen kann. Um den Fehlbetrag zu senken, sollen Gewerke einzeln ausgeschrieben werden und mehr Arbeiten als derzeit kalkuliert von den Vereinsmitgliedern in Eigenleistung erbracht werden. Der mit städtischen wie Eler-Mitteln geförderte Schwimmbadumbau und die durch Leader-Mittel unterstützte Modernisierung von Kiosk und Sanitärbereich ließen sich nicht trennen, betonte Kilian. Landrat Michael Busch (SPD) bot die Hilfe des Landratsamts bei der Ausschreibung an, Bad Rodachs Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) riet, die Arbeiten mit Hoffnung auf bessere Preise eventuell aufs Frühjahr zu verschieben. „Wir stehen alle in den Startlöchern und geben trotz aller Hindernisse nicht auf“, machte Kilian deutlich. Bevor das Bad tatsächlich geschlossen werden müsse, warte der Verein lieber noch ein weiteres Jahr, fügte sie hinzu. Immerhin sei das Freibad der Treffpunkt schlechthin für die Einheimischen. „Je länger es dauert, umso größer wird der Frust der ehrenamtlich Engagierten“, gab Höllein zu bedenken.

Fast 30 Bäder hat Rinderspacher nach eigenen Angaben in den letzten Jahren besucht. Er forderte eine Überarbeitung der Förderkriterien durch die zuständigen Regierungsstellen. Leider ließen die aktuellen nur die Förderung von Hallenbädern zu.

Dabei seien von insgesamt 850 Bädern in Bayern fast 450 sanierungsbedürftig. Angesichts von 82 Badetoten in Bayern allein im Jahr 2017 und Angaben des DLRG, dass jedes zweite Kind in Deutschland nicht schwimmen könne, bestehe dringender Handlungsbedarf. „Die Freibäder vor Ort sind wichtig“, betonte der Landtagsabgeordnete, „vor allem für Familien, die nicht in den Urlaub fahren können.“

„Das ist eine Region mit unglaublich viel Potenzial“, lautete das Fazit des Gasts aus München nach seiner Tour durchs Coburger Land. „Landschaftlich schön und wirtschaftlich interessant“ sei das Gebiet zwischen Kaltenbrunn und Autenhausen dazu, fand Rinderspacher.

Die Radtour habe ihm zudem „unheimlich faszinierende Begegnungen“ beschert. Dazu die Erkenntnis, „dass selbst in kleinen Dörfern die Infrastruktur vor Ort sehr wichtig ist“.

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